nachhaltigkeitsnotizen
23.09.2016

Keine Zeit für die Zukunft

(c)BMUB

Am 10. und 11. September feierte das Bundesumweltministerium bei strahlendem Sonnenschein seinen 30. Geburtstag. Ein Festival der Zukunft sollte es sein – auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg, der Firmen und Start-ups zum Thema Energieeffizienz, E-Mobilität und Klimaschutz beheimatet.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit und Bau (BMUB) hatte Umweltorganisationen und Initiativen eingeladen, sich einzubringen. Viele folgten – von future über Germanwatch bis Oxfam. Das Festival der Zukunft lebte von deren Beteiligung und Info-Ständen. Mit Diskutanten wie Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber und Mary Robinson, UN-Beauftragte für Klima, bot auch das Rahmenprogramm des BMUB einige Highlights. Dass die Besucherzahl weit hinter den Erwartungen zurückblieb, ist kein Wunder: Selbst die Mitarbeiter des BMUB waren mit ihren Familien wohl lieber beim Baden.

Befragung zum Nachhaltigen Wirtschaften
Zu wenig Zeit ist der Hauptgrund, warum sich Menschen nicht mehr für Nachhaltigkeit engagieren. So haben es zumindest die Teilnehmer einer Befragung angegeben, die im Vorfeld sowie am Samstag beim Festival von future e.V. – verantwortung unternehmen – und dem Institut for Sustainability durchgeführt worden war. Über 300 Antworten geben ein repräsentatives Stimmungsbild der deutschen Nachhaltigkeitsszene ab. Die Ergebnisse wurden am zweiten Tag des Festivals bei einer von Sabine Braun moderierten Podiumsdiskussion zum Nachhaltigen Wirtschaften vorgestellt. Als Unternehmensvertreter nahmen teil: Jürgen Baumann von Märkisches Landbrot, Uwe Bergmann von Henkel und Dr. Meike Niedbal von der Deutschen Bahn. Alle drei Unternehmen, so unterschiedlich sie sind, stehen mit ihrem gesamten Angebot für nachhaltiges Wirtschaften und bieten nicht nur nachhaltige Nischenprodukte an. Das gilt selbst für Märkisches Landbrot, deren Öko-Laibe sich in Berlin nur mit einem moderaten Aufpreis vertreiben lassen.

Zu teuer ist kein Thema
Zumindest die Nachhaltigkeitsszene wäre bereit, mehr zu bezahlen, wenn es dem nachhaltigen Wirtschaften dient. Zu teuer war definitiv kein Kriterium für mangelndes Engagement. Grundsätzlich hielten 53 Prozent der Befragten die deutsche Volkswirtschaft samt ihren globalen Auswirkungen für nicht oder kaum nachhaltig. Befragt nach den größten Hebeln, dies „bürgerseitig“ zu ändern, gaben die meisten eine Veränderung des Konsumverhaltens an. Als wirksamsten Beitrag, den Unternehmen leisten können und müssen, gilt den Befragten die Entwicklung von Produkten, die zur Lösung ökologischer und sozialer Probleme beitragen; Transparenz in der Lieferkette folgt deutlich abgeschlagen. Die Politik wiederum könne am besten zu nachhaltigem Wirtschaft beitragen, indem sie die Rahmenbedingungen so gestalte, dass umweltschädliche Produkte und Verhaltensweisen teurer würden.