nachhaltigkeitsnotizen
05.07.2018

Auf gutem Weg in die Kreislaufwirtschaft?

trends

Frederike Kouker

Am 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft – es löst die aktuell bestehende Verpackungsverordnung ab und soll dazu dienen, Abfälle zu vermeiden und deutlich mehr Verpackungen als bisher zu recyceln. Doch was genau ändert sich? Welche Maßnahmen sind nötig, um die neuen Vorgaben zu erfüllen? Und welche Rolle spielt der Verbraucher in diesem Prozess?

Wir Deutsche produzieren rund 20 Prozent mehr Plastikmüll als der EU-Durchschnitt. Von den gesammelten Verpackungsabfällen landet aktuell fast die Hälfte in der Müllverbrennungsanlage. Wertvolle Rohstoffe gehen so verloren. In Anbetracht endlicher Ressourcen und des oftmals Mensch und Umwelt schadenden Rohstoffabbaus liegt auf der Hand, dass sich etwas ändern muss. Die Lösung: Die Materialien einem Kreislauf zuführen, um sie anschließend wiederverwerten zu können. Das eigentlich rohstoffarme Deutschland kann auf diesem Weg eine nachhaltige und unabhängige Rohstoffversorgung ermöglichen.

Höhere Quoten und Ökodesign

Das neue Verpackungsgesetz fordert unter anderem höhere Recyclingquoten: Bis zum Jahr 2022 soll der Anteil recycelter Kunststoffverpackungen von heute 36 auf 63 Prozent wachsen. Die Recyclingquoten bei Metallen, Glas und Papier steigen bis 2022 sogar auf 90 Prozent an. Die Entsorgungsfirmen sind damit aufgefordert, sich um ein verbessertes Recycling zu bemühen und die Verwertung zu steigern. Das Ziel ist ambitioniert. Ob die neue Vorgabe realistisch ist? Expertenmeinungen dazu gehen auseinander. Klar ist, dass dafür große Anstrengungen und jede Menge Arbeit nötig sind.

Doch nicht nur die Entsorgungsfirmen müssen ihre Technologien anpassen – schon bei der Entstehung der Verpackung muss angesetzt werden: Das Gesetz schafft künftig Anreize, damit die Hersteller bereits von Beginn an auf ein recyclingfähiges Design achten.

Mit den komplexen Anforderungen an ein funktionierendes Recycling beschäftigt sich auch der Umweltdienstleister Interseroh. Um Ressourcen zu schonen, entwickelt das Unternehmen ständig neue Lösungen, Strategien und Technologien. Wege in eine Zukunft ohne Abfall sind im aktuellen Nachhaltigkeitsmagazin von Interseroh nachzulesen.

Neutrale Kontrolle?

Die neu eingerichtete Zentrale Stelle kontrolliert künftig, ob Hersteller ihre Verpackungsmengen gesetzeskonform anmelden. Und soll so für einen fairen Wettbewerb sorgen. Jedoch wird die Zentrale Stelle von Industrie und Handel selbst finanziert und organisiert. Inwiefern kann sie dann also wirklich als unabhängige Instanz agieren? Aufgrund der selbstorganisierten Kontrolle ist zu befürchten, dass hier auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen werden.

Alle Beteiligten in der Pflicht

Das Verpackungsgesetz schließt sowohl Produzenten, Händler als auch die Recyclingwirtschaft mit in die Verantwortung ein. Und zeigt deutlich: Um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft etablieren zu können, müssen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette an einem Strang ziehen. Denn nur, wenn die Kunststoffverpackung von Anfang an recyclinggerecht gestaltet ist – nur, wenn alle Händler ihre Verpackungen gesetzeskonform lizenzieren – und nur, wenn die Recyclingwirtschaft ihre Prozesse und Anlagen weiterentwickelt – nur dann können die Kunststoffe im Kreislauf geführt und wiederverwertet werden. Und dabei spielt auch der Verbraucher eine zentrale Rolle.

Verbraucher legen den Grundstein

Die wohl größte Kritik am Gesetz: Auch weiterhin wird es keine einheitliche Wertstofftonne geben. Dies hatte die Bundesregierung bereits 2011 diskutiert, um eine einheitliche Entsorgung für Verpackungsmüll, Plastik und andere Wertstoffe zu garantieren. Doch die Pläne sind vom Tisch – denn Kommunen und die Entsorgungsunternehmen sind sich uneins über die Zuständigkeiten.

Es bleibt also bei der dezentralen und für den Verbraucher unübersichtlichen Regelung. Gelbe Tonne oder Gelbe Säcke für Verpackungsmüll oder Orange Tonne für alle Wertstoffe? Das hängt von der Entscheidung der Kommune ab. Und daraus resultiert wiederum, wie jeder Einzelne welche Materialien entsorgen muss. In Wertstofftonnen darf der Verbraucher zum Beispiel altes Spielzeug aus Kunststoff entsorgen – im gelben Sack und in der gelben Tonne nicht. Dort bleibt die Trennung von Verpackungen und „Nichtverpackungen“ bestehen.

Wenn man bedenkt, dass der Bürger mit der Entsorgung den Grundstein für ein funktionierendes Recycling legt, sollte die Mülltrennung doch so einfach und verständlich wie möglich sein. Dass dies aktuell nicht der Fall ist, zeigt auch eine Umfrage des Deutschen Verpackungsinstituts. Demnach entsorgt jeder dritte Deutsche seine Verpackungen nicht immer umweltgerecht. Die Folge: Der Abfall landet in der Müllverbrennung und wertvolle Rohstoffe werden verschwendet.

Schonende Nutzung von Rohstoffen geht über das Gesetz hinaus

Moderne Techniken ermöglichen eine immer präzisere Sortierung des Mülls und auch die Aufbereitung von Kunststoffen wird ständig weiterentwickelt. Das neue Gesetz gibt weitere wichtige Vorgaben, um eine Circular Economy zu realisieren. Doch um den Weg aus der Wegwerfgesellschaft zu ebnen, sind noch mehr Anstrengungen notwendig. Es erfordert ein Umdenken und Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens – denn mit dem eigenen Handeln kann jeder Einzelne etwas verändern:  Mitgebrachte Beutel beim Einkaufen helfen dabei, Plastiktüten zu vermeiden, unverpacktes Obst und Gemüse schonen den Verpackungsverbrauch und entlasten die Umwelt. Und mit einer richtigen Entsorgung können die Materialien am Ende recycelt werden. Das bedeutet auch, unterschiedliche Verpackungsmaterialien voneinander zu trennen, bevor sie weggeworfen werden. Sie können von den Anlagen sonst nicht richtig sortiert werden.

Im Kampf gegen die Umweltbelastung

Das Thema ist aktuell drängender denn je. Im März verkündete China, dass sie künftig keinen Verpackungsmüll mehr aus Deutschland zurücknehmen werden. Gleichzeitig steigen Produktion und Verbrauch von Verpackungen hierzulande. Ob das neue Verpackungsgesetz das Problem in den Griff bekommt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist es ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung – für die Förderung einer kreislauforientierten Wirtschaft und der Schonung unserer Ressourcen.