nachhaltigkeitsnotizen
14.03.2016

Europäische CSR-Berichtspflicht - Pflicht zur Zukunftsfähigkeit?

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Der Entwurf zur Umsetzung in nationales Recht wurde am 11. März veröffentlicht. Viele werden stöhnen: Noch mehr Bürokratie! Wem soll die Transparenz nützen? Nun, zuallererst den Unternehmen selbst. Auch wenn manche es immer noch nicht glauben mögen.

Unsere Erfahrung aus über 20 Jahren Nachhaltigkeitsreporting zeigt, dass eine Bestandsaufnahme zu den relevanten ökologischen und sozialen Aspekten der Geschäftstätigkeit noch in jedem Unternehmen zu Aha-Effekten führte und Verbesserungen bewirkte. Verbesserungen, die sich niederschlagen in mehr Resilienz und besserer Reputation.

Eine Chance für die Transformation

Reputation entsteht nicht nur aus dem, was Unternehmen heute tun. Sie hat immer mehr damit zu tun, was Stakeholder einem Unternehmen in der Zukunft zutrauen. Diese ist geprägt von großen Herausforderungen wie Klimawandel, Migration und Digitalisierung, die Risiken wie Chancen bergen. Um im Wandel zu bestehen, werden sich nicht nur die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen ändern müssen, sondern auch deren Wertschöpfungsprozesse. Ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte werden dabei in vielen Branchen eine immer größere Bedeutung erlangen. Es werden neue Arbeitswelten entstehen, neue Vertriebswege und neue Formen der Kooperation – in der Lieferkette, in Forschung und Entwicklung wie in der Vermarktung. Um für Morgen gerüstet zu sein, müssen Zulieferer ihren ökologischen Fußabdruck kennen, Banken sollten ihre Investments nach nachhaltigen Gesichtspunkten durchleuchten, Textilunternehmen ihre Lieferkette neu überdenken und Lebensmittelhersteller auf Tierschutz achten.

Transparenz als mächtiger Treiber

Mögen nun manche sagen, dies alles käme auch ohne Berichtspflicht zustande, könnten sie durchaus Recht haben. Aber sie irren gewaltig, wenn sie Transparenz für verzichtbar halten. Ohne Bestandsaufnahme und daraus abgeleiteten Verbesserungszielen bleibt vieles purer Zufall. Erst eine regelmäßige Berichterstattung schafft es, den Blick auf die Hot Spots zu verstetigen und Werte so in der Unternehmenskultur zu verankern, dass sie wirklich gelebt werden und auch extern Strahlkraft entwickeln – für den Nachwuchs, für die Kunden, für das Umfeld. Wir haben schon so oft erlebt wie hilfreich eine kluge Berichterstattung ist, um Unternehmen in den Wandel zu führen. Was wäre also falsch daran, sich über ökologische und soziale Anforderungen Gedanken zu machen, den Status quo zu erheben und Potenziale zu analysieren?

Die Business Cases der Nachhaltigkeit haben wir in einer übersichtlichen Grafik für Sie zusammengestellt.

Tipps für den Einstieg

Hier wollen wir nicht wiederkauen, was auch in unzähligen Leitfäden steht. Wir wollen stattdessen auf Punkte aufmerksam machen, über die wir manchmal sogar selbst schon gestolpert sind.

1_Start: Besser gemeinsam

Bilden Sie ein Redaktionsteam aus Führungskräften relevanter Abteilungen. Denn die werden Sie brauchen: als Verbündete, Unterstützer und Multiplikatoren. Sie steigern so die Akzeptanz für das Unterfangen im Unternehmen. Und Sie werden weniger Kritik für den ersten Entwurf ernten, wenn alle eingebunden waren. Zugleich haben Sie mit dem Redaktionsteam schon die Keimzelle für ein CSR-Council als Querschnittsgremium gelegt, das die strategische Weiterentwicklung begleiten soll.

2_Prozess: Besser geplant

Alle Mitglieder Ihres Redaktionsteams haben einen vollen Terminkalender. Sie werden lieber zu den Meetings kommen, wenn diese Freude machen. Eine professionelle Moderation, eine gute Präsentation und ein Obstkorb können viel bewirken. Laden Sie auch mal einen externen Referenten ein oder den Nachhaltigkeitsverantwortlichen eines „Nachbarunternehmens“. Damit werten Sie die Meetings auf und sorgen dafür, dass nicht jeder bald schon seinen Vertreter schickt. Und ganz wichtig: Adressieren Sie Abstimmungstermine rechtzeitig und geben Sie genug, aber nicht zu viel Zeit. Das zeugt von Wertschätzung und Professionalität.

3_Ziele: Besser gründlich

Ein guter Nachhaltigkeitsbericht enthält Ziele. Aber unterschätzen Sie diesen Prozess nicht. Für den ersten Bericht muss man hier nichts über’s Knie brechen. Formulieren Sie nicht rasch schon Ziele, ohne die Bestandsaufnahme gemeinsam analysiert zu haben. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend Zeit für die Diskussion und Definition wünschenswerter und machbarer Ziele mit den Verantwortlichen nehmen. Nur dann haben Ziele Bestand und können leiten.

4_Resultate: Besser sichtbar

Das Projekt Nachhaltigkeitsbericht wirbelt in Unternehmen so manches auf. Viele Mitarbeiter sind gefordert, sich neben ihrer eigentlichen Aufgabe auch noch um Daten für den Bericht zu kümmern. Die meisten finden das eher lästig. Und manche fragen sich, wofür überhaupt? Machen Sie Nachhaltigkeit und Verantwortung deshalb rasch sichtbar und erlebbar im Unternehmen. Artikel in der Mitarbeiter­zeitung, Öko-Wochen in der Kantine oder der Start einer Restcent-Initiative können ein guter Anfang sein. Zur Veröffentlichung des Berichts organisieren Sie einen Launch-Event für Mitarbeiter und schreiben all jenen eine nette Karte, die Sie unterstützt haben.

5_Preise: Besser wirken

Auch wenn man über manche Preise lächeln mag, die es inzwischen von vielen Organisationen für CSR-/Nachhaltigkeits­berichte gibt (meist verbunden mit einer stolzen Gebühr für die Teilnahme): Externe Anerkennung wirkt! Vor allem nach innen: bei der Geschäftsführung, bei den Beteiligten, bei den Mitarbeitern. Seien Sie nicht zu stolz und bewerben Sie sich. Bei allen Kosten eines Nachhaltigkeitsberichts kommt es auf eine Teilnahmegebühr von 300 Euro auch nicht mehr an. Der Effekt kann riesig sein!

Mehr Informationen unter www.csr-berichtspflicht.de