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18.12.2017

akzente-Weihnachtsgrüße 2017

akzente news

akzente-Team

akzente wünscht ein friedliches Weihnachtsfest, in diesem Jahr mit einem Vers von Kurt Tucholsky: „So steh ich nun von deutschen Trümmern und sing mir still mein Weihnachtslied. Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern, was weit in aller Welt geschieht. Die ist den anderen. Uns die Klage. Ich summe leis, ich merk es kaum, die Weise meiner Jugendtage: O Tannebaum!“ Manche mögen sich wundern.

akzente-Weihnachtsgrüße mit Tucholsky

Zwar ging es uns noch nie so gut wie jetzt. Auch die OECD hat Deutschland in ihrem aktuellen Bericht „How’s life?“ höchste Lebensqualität bestätigt. Doch schauten wir Anfang des Jahres noch mit Entsetzen auf die USA, Großbritannien oder Polen, stehen auch wir nach dem Einzug der AfD ins Parlament und den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen vor einem politischen Scherbenhaufen. Die Autorität der Kanzlerin schwindet, die SPD fürchtet den Untergang – und manches spricht dafür, dass auch die Verhandlungen über eine Neuauflage der großen Koalition scheitern werden.

Kurt Tucholsky als unermüdlicher Mahner

Da erschien uns der Vers von Kurt Tucholsky, den wir ohnehin verehren, nicht nur treffend, sondern eine wichtige Mahnung. Tucholsky, der sich als linker Demokrat und Pazifist verstand, wurde als einer der bedeutendsten Publizisten in der Weimarer Republik nicht müde, vor dem Erstarken der politischen Rechten und der Bedrohung durch den Nationalsozialismus zu warnen. Sein Gedicht über den Tannenbaum schrieb Kurt Tucholsky im Jahr 1918, als alles vorbei und der erste Weltkrieg verloren war. Er zieht damit nicht nur eine bittere Bilanz, sondern nimmt auch die Kultur des Weihnachtsbaums sarkastisch aufs Korn.

Der Tannenbaum als ‚deutsches‘ Kulturgut

Weihnachtliche Lichterbäume wurden zunächst in den Häusern protestantischer adliger und wohlhabender bürgerlicher Familien aufgestellt. Im 18. und 19. Jahrhundert tauchten sie zunehmend auch bei weniger begüterten Familien auf. Seine endgültige Installation als Symbol der deutschen Weihnacht verdankte der Tannenbaum dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. Auf Anordnung der Heeresleitung schmückte er Lazarette, Quartiere und Unterstände der Soldaten. Er stand für Heimweh und Familiengefühl, Friedenssehnsucht und Gemütlichkeit. Dieses Instrument psychologischer Kriegsführung griff man im ersten Weltkrieg, in dem auch Tucholsky war, wieder auf. Im Lichte der deutschen Schützengräben-Weihnachtsbäume kam es Heiligabend 1914 an der Front in Flandern dann zu Verbrüderungsszenen zwischen englischen, französischen und deutschen Soldaten. Danach erließen die offiziellen Stellen aller drei Länder strenge Bestimmungen, um Wiederholungen zu verhindern.

Das ganze Gedicht:


So steh ich nun vor deutschen Trümmern
Und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns ist die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
– bei Deutschen fruchtet keine Lehre –
weiß Gott! Ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse grölt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
O Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen.
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen,
uns Deutsche mit der Lammsgeduld?
Die leiden nicht. Die warten bieder.
Ich träume meinen alten Traum.
Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!
Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
O Tannebaum, O Tannebaum.